Eine heftige Diskussion, die in den letzten Tagen entbrannt ist.
Angestoßen durch das Männermagazin FHM, das seit Ende letzter Woche vollständig auf eine klassische Internetseite verzichtet und seine einzige Internetpräsenz jetzt in Form einer Facebook-Seite hat, spalten sich die Meinungen der Internet-Gemeinde und speziell natürlich der der Social Media Berater.
20.000 ‘Fans’ (so werden diejenigen, die auf einen “Gefällt mir” Button auf einer Fan-Seite klicken, genannt) hat FHM in nur wenigen Tagen hinzugewonnen. Eine beachtliche Zahl, sicher auch begünstigt durch gutes SEO (Suchmaschinenoptimierung), denn der erste Suchtreffer des Begriffs “FHM Magazin” liefert den direkten Verweis auf die Facebook-Seite.
Jetzt lässt sich darüber streiten (streng genommen wird auch darüber gestritten), ob dieses Vorgehen Sinn macht oder eben nicht.
Auch wir haben uns dem Thema natürlich angenommen, Für und Wieder abgewogen und uns eine Meinung gebildet. Auf unserer eigenen Facebook-Seite wurde dieses Thema ebenfalls diskutiert – mit den unterschiedlichsten Ansichten.
Aus unserer Sicht sprechen mehr Dinge FÜR die Vorgehensweise von FHM als dagegen:
- FHM hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine genaue Zielgruppenanalyse angestrengt. Auf Grund der gefallenen Entscheidung kann man wohl davon ausgehen, dass bereits ein Großteil der “FHM-Sympathisanten” Facebook-Accounts haben oder bereits ‘Fan’ der FHM-Seite waren.
- Auf einer Facebook-Seite lässt sich viel gezielter mit Lesern, Kritikern, Befürwortern, etc. in Kontakt treten. Dialoge entstehen – und das ist es doch, wovon ein Magazin wie FHM lebt (s. die Leserbriefe am Anfang einer jeder Ausgabe).
- Print-Medien haben es zunehmend schwerer, in einer immer digitaler werdenden Welt zu überleben. Kaum einer der Generation Y (geboren nach 1980) hat heute noch ein Zeitungs-Abo. Selbst Tageszeitungen werden in der Regel online gelesen – wenn überhaupt. Darunter leiden natürlich auch Magazine wie FHM. Es ist kein Geheimnis, dass Redaktionen immer mehr sparen, Sparten schließen und Mitarbeiter entlassen. Eine konsequente Fortsetzung von Print im digitalen Bereich ist also nur logisch. Und unternehmerisch auf lange Sicht überlebenswichtig.
- FHM bietet seinen ‘Fans’ die Möglichkeit, das Magazin teilweise mit zu gestalten. So werden Headlines, Themen und Bilder besprochen. Der Facebook-User kann mitsprechen – und das ist es, worum es auf Facebook geht.
- Eine große Firmenhomepage zu betreiben ist kostspielig. Eigene Sicherheitssysteme müssen dafür sorgen, dass die Seite vor Hackern geschützt wird. Server müssen bereit gestellt und gewartet werden. Dies alles gibt es auf Facebook gratis – die Kosten hierfür trägt Facebook selbst. Die Content-Pflege (also das Einstellen von Inhalten) sehen wir hingegen nicht als Einsparungsmerkmal – denn das muss auch auf einer Facebook-Seite geschehen. Der Aufwand kann hier sogar noch etwas höher sein, weil auf Anfragen, Kommentare, etc. viel schneller reagiert werden muss.
Alles in allem halten wir das Vorgehen von FHM also durchaus für berechtigt und sinnvoll. Sicher ist das nicht pauschal auf jede Branche oder jedes Produkt übertragbar; Social Media Experten gehen aber davon aus, dass dieses Jahr noch einige Internetseiten verschwinden, um durch Facebook-Seiten ersetzt zu werden.
Man darf gespannt sein – wir werden unserer Internetseite auf jeden Fall treu bleiben; auch wenn natürlich wir zunehmend Inhalte auf Facebook publizieren und automatisiert in den Internetauftritt einfließen lassen. Die moderne Technik macht es möglich. Und wir bedienen (so gut wie) alle Interessengruppen. Hoffen wir zumindest.
Herzlichst, Ihr
Ben Kohler, kohler&weihs.